24.01.2014 DORV-Vater erhält das BVK

DORV Vater erhält das Bundesverdienstkreuz Landrat Wolfgang Spelthahn heftete am Freitag Heinz Frey das Bundesverdienstkreuz am Bande an. Das Bundesfamilienministerium hatte vorgeschlagen, den Ideengeber für die DORV-Zentren auszuzeichnen. Foto: Uerlings DORV-Vater erhält das Bundesverdienstkreuz -


Barmen. Heinz Frey (59) ist für viele ein Kommunalpolitiker, der auch Ecken und Kanten hat. Bei politischen Gegnern gilt der Jül-Fraktionschef als Schlitzohr, der dem Volk gern auf den Mund schaut, sich auch recht robust zu streiten weiß und ungern nachgibt. Der bekennende „Junge vom Dorf“ (Merzenhausen) ist weit mehr.

Er ist bei wichtigen Fragen der Sache wegen äußerst pragmatisch, wenig nachtragend und geht auf jeden „Gegner“ zu. Diese Eigenschaften kamen einem Projekt zugute, das eine echte Erfolgsgeschichte ist: das DORV-Zentrum als letzte Chance einer Nahversorgung auf dem Lande. Freys Idee wurde nicht nur in Barmen Realität, sondern machte bundesweit Schule und ist inzwischen selbst bei der EU Thema. So herrschte am Freitagnachmittag im Overbacher Schloss Einigkeit: Heinz Frey hat das Bundesverdienstkreuz am Bande verdient, das ihm Landrat Wolfgang Spelthahn ansteckte.

Der Vorschlag, Frey in den laut Spelthahn „erlauchtesten Klub“ der Republik aufzunehmen, kam direkt aus dem Bundesfamilienministerium und wurde von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft unterstützt. Spelthahn: „Da hat Bundespräsident Joachim Gauck gleich unterschrieben.“ Bei der Feierstunde wunderten sich nicht wenige, als der Landrat erklärte: „Ich bin eindringlich gebeten worden, Herr Frey, Sie von der Frau Bundeskanzlerin, von der Frau Ministerpräsidentin und der Frau Regierungspräsidentin zu grüßen und Ihnen zu gratulieren.“

2001 war mit der Sparkassenfiliale die letzte Versorgungseinrichtung im Jülicher Stadtteil geschlossen worden. Damals hat Heinz Frey – im Hauptberuf Lehrer – seine DORV-Idee publik gemacht. Die vier Buchstaben stehen für „Dienstleistungen und Ortsnahe Rundum-Versorgung“. Frey suchte Mitstreiter, erstellte eine Bedarfsanalyse, eine Machbarkeitsstudie und ein Finanzierungsmodell.

Die Bürgerschaft ist über Anteilsscheine Träger – und Kundschaft. Lebensmittel, Frischfleisch, Postservice, Bankautomat, Café und vieles mehr finden sich auf 150 Quadratmetern. Entstanden sind acht Arbeitsplätze, zudem hat der DORV-Laden in Barmen bis heute keinen Zuschuss gebraucht, betonte Spelthahn. Inzwischen ist Frey sowohl Botschafter der DORV-Idee als auch weiter tatkräftiger Helfer, wenn etwas zu tun ist.

„Sie haben es geschafft, den Mitbürgern, vor allem älteren, zu neuer Lebensqualität zu verhelfen und das Leben im ländlichen Raum attraktiver zu machen“, lobte der Landrat, der weitere Ehrungen ansprach. So wurde Frey 2011 als Einzelperson mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet. Jetzt zog Vater Staat nach, der auch den kommunalpolitischen Einsatz würdigte. Der frühere Sozialdemokrat ist seit 1993 im Stadtrat und hat 2003 die Unabhängige Wählergemeinschaft Jül gegründet. Sie wurde 2009 zweitstärkste Jülicher Kraft.

Der Geehrte dankte vor allem seiner Familie, allen voran Ehefrau Kornelia, für die Unterstützung, und vielen Mitstreitern, „ohne die es nicht geht“. Da kommt Heinz Frey seine „Netzwerk“-Fähigkeit zugute, die sowohl Josef Wirtz (CDU-MdL) als auch Peter Münstermann (SPD-MdL) ansprachen. Sein (Partei-)Freund Matthias Hoven dankte und bat, „es etwas ruhiger angehen zu lassen“.

Bürgermeister Stommel gestand, von der DORV-Idee regelrecht begeistert gewesen zu sein, und sagte: „Wenn Sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben, sind Sie schwer abzubringen.“ Frey nahm das – um die Doppeldeutigkeit wissen – als Kompliment. Ein Bundesverdienstkreuzträger kann sich das leisten.

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